Das Karwendel ist eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen. Es liegt geographisch im österreichischen Bundesland Tirol und im deutschen Freistaat Bayern. Der größere Teil des Gebirges befindet sich auf österreichischem Gebiet. Die Grenze zwischen Bayern und Tirol verläuft über die Nördliche Karwendelkette und durch das Vorkarwendel. Vier Gebirgsketten ziehen sich von West nach Ost; hinzu kommen zahlreiche Seitenketten und -gruppen und nach Norden ein weitläufiges Vorgebirge.

Umgrenzung und Ausdehnung

Im Westen wird es durch den Seefelder Sattel begrenzt, im Norden durch das Tal der Isar, im Osten durch den Achensee und im Süden durch das Inntal. Bedeutende Orte sind im Westen Seefeld in Tirol, im Osten Jenbach und im Süden Innsbruck. Von Ost nach West hat das Gebirge eine Ausdehnung von etwa 45, von Nord nach Süd von knapp 30 Kilometern.[1]

Benachbarte Gebirgsgruppen

Das Karwendel grenzt an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen:

  • Bayerische Voralpen (im Norden)
  • Rofangebirge (im Osten)
  • Tuxer Alpen (im Süden)
  • Stubaier Alpen (im Südwesten)
  • Mieminger Kette (im Westen)
  • Wettersteingebirge (im Westen)

Geologie

Das Karwendel besteht aus Kalkstein und Dolomit (letzterer insbesondere in der Erlspitzgruppe). Die Hauptketten sind aus mächtigen Kalkbänken aufgebaut, die durch die Auffaltung nach Süden geneigt sind. Der charakteristische Bau des Karwendels ist in den Lalidererwänden der mittleren Hauptkette besonders gut zu erkennen. Die Bruchkanten der Auffaltung bilden senkrechte bis zu 1.000 Meter hohe Wände auf der Nordseite, aus der sanfteren Südseite haben die Gletscher der Eiszeiten weite Kare ausgefräst, die durch mächtige Grate voneinander getrennt werden.

Tier- und Pflanzenwelt

Im Karwendel finden sich die üblichen Tierarten der Nördlichen Kalkalpen; insbesondere kann man in den hohen Karen oft große Gamsrudel beobachten. Im Sonnjochgebiet und auf der Nordkette wurden Steinböcke angesiedelt, die sich gut eingelebt haben.

Naturschutz

Sowohl der Tiroler als auch der bayerische Teil des Karwendels stehen unter Naturschutz. Der Tiroler Anteil am Alpenpark Karwendel besitzt eine Größe von 727 km² und bildet somit eines der größten Naturschutzgebiete der Ostalpen. Das direkt angrenzende bayerische Naturschutzgebiet Karwendel und Karwendelvorgebirge misst weitere 190 km². Diese Schutzgebiete sind grenzübergreifend mit Bayern als Natura 2000-Gebiet (sowohl nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie/FFH als auch nach Vogelschutzrichtlinie) ausgewiesen.[2]

Das Gebiet zeichnet sich besonders durch die große Steinadlerpopulation, die hohe Natürlichkeit des Waldes und des Wildflusssystems Isar aus. Im Naturschutzgebiet sind insbesondere Zelten, Feuermachen, die Störung von Wildtieren und das Pflücken von Pflanzen(teilen) verboten.

Alpenpark Karwendel

Der Alpenpark Karwendel[3] geht auf eines der ältesten Schutzgebiete der Ostalpen (Banngebiet von 1928) zurück. Mit einer Fläche von 727 km² ist er als ganzes[4] auch Natura 2000-Gebiet (Sitecode AT3309000).[2] Der Alpenpark bildet sich aus 3 Naturschutz-, 2 Ruhe- und 6 Landschaftsschutzgebieten,[5] und wurde mit 2009 zum Naturpark erklärt (LGBl. 26/2009):[6]

  • Naturschutzgebiet Karwendel
  • Naturschutzgebiet Martinswand
  • Naturschutzgebiet Fragenstein
  • Ruhegebiet Eppzirl
  • Ruhegebiet Achental-West
  • Landschaftsschutzgebiet Bärenkopf
  • Landschaftsschutzgebiet Falzthurntal–Gerntal
  • Landschaftsschutzgebiet Großer Ahornboden
  • Landschaftsschutzgebiet Martinswand–Solstein–Reither Spitze
  • Landschaftsschutzgebiet Nordkette
  • Landschaftsschutzgebiet Vorberg

Seit 2008 ist auf der Tiroler Seite der Trägerverein Alpenpark Karwendel mit der Schutzgebietsbetreuung betraut. Mitglieder des Vereins sind die 15 Karwendelgemeinden, fünf Tourismusverbände, die Österreichischen Bundesforste, der Deutsche und Österreichische Alpenverein, die Landwirtschaftskammer Tirol sowie das Land Tirol, auf dessen Initiative die Vereinsgründung zurückgeht. Damit soll eine stärkere Involvierung der Gemeinden und Grundbesitzer und damit schlussendlich eine höhere Akzeptanz für das Schutzgebiet erreicht werden. Erste große Aktivität des Vereins war die 80 Jahrfeier der Unterschutzstellung mit einem umfassenden Jahresprogramm und dem Geotag der Artenvielfalt. Im Jänner 2009 wurde das Karwendelprogramm 2013 verabschiedet, in dem die mittelfristige Ausrichtung in den Bereichen Naturschutz, Besucherangebot und Bewusstseinsbildung festgeschrieben wurde.[7]

Naturschutzgebiet Karwendel und Karwendelvorgebirge

Ungeachtet dieses Schutzes gibt es auch Erschließungsmaßnahmen, die Kritik hervorgerufen haben (neue Almstraßen, überdimensionierte Almgebäude). Insbesondere die Erschließung des Isar-Ursprungs im Hinterautal im Jahr 2003 hat eine Gegeninitiative zum Schutz des Karwendels auf den Plan gerufen (Jetz werds eng). Umweltschützern ist der starke Autoverkehr in die Eng ein Dorn im Auge. Auf Initiative der Sektionen München und Oberland des Deutschen Alpenvereins wurde die zwischenzeitlich eingestellte Buslinie von Lenggries in die Eng im Sommer wiederbelebt. 2012 bietet diese Buslinie zwei Fahrten pro Tag und Richtung an.

Tourismus

Erschließungsgeschichte

  • 1843: Markus Vincent Lipold, Haller Berg- und Salinenpraktikant bestieg mehrere Gipfel, darunter die Speckkarspitze und Pleisenspitze
  • Sommer 1870: Hermann von Barth bestieg als Alleingänger 88 Gipfel (davon 12 erstmalig)
  • 1888: Heinrich Schwaiger gibt den ersten Karwendelführer heraus
  • 6. Oktober 1901: Otto Melzer und Emil Spötl stürzen beim Versuch der Erstbesteigung der Nordwand der Praxmarerkarspitze tödlich ab (daran erinnert ein Denkmal am Weg zur Sunntigerspitze)
  • 9. August 1911: Erstbesteigung der Nordkante der Laliderer Spitze (Herzogkante) durch Otto, Christian und Paula Herzog
  • 4. bis 10. März 1969: Erste Winterüberschreitung der gesamten Karwendelhauptkette durch Franz Sint, Paul Gürtler und Josl Knoll
  • 28. bis 30. Januar 1989: Erste Winterüberschreitung der gesamten Karwendelhauptkette im Alleingang durch Heinz Zak (Lit.: Zak 1990 S. 83 ff.)

Auch um die Erschließung der Gipfel des Karwendels gab es Konflikte. 2004 wurden Markierungen und Versicherungen an der Dreizinkenspitze (Roßloch) entfernt. Die an der Herzogkante angebrachten Bohrhaken wurden von Unbekannten umgeschlagen. Im Juli 2005 wurden die Gipfelkreuze des Gamsjochs und der Kaltwasserkarspitze aus ihren Verankerungen gebrochen und den Berg hinunter geworfen. Daneben gab es Nacherschließungen von vormals unmarkierten Gipfelanstiegen (Wörner, Gipfel um die Pfeishütte), die Kritik hervorriefen.

Bergsteigen im Karwendel

Nur wenige Gipfel der beiden mächtigen mittleren Ketten sind durch gute Weganlagen erschlossen. Die meisten anderen Gipfel sind zwar auch von Süden ohne allzu große klettertechnische Schwierigkeiten erreichbar, die Anstiege durch steile Schrofen, Latschen- und Geröllfelder sind jedoch teilweise weglos. Das Gestein im Karwendel ist vielerorts überaus brüchig.

Im Winter werden die Gipfel des Vorkarwendels (z. B. Schafreuter, Juifen, Schönalmjoch) häufig mit Skiern bestiegen, im Frühjahr und Frühsommer auch die großen Gipfel der Karwendelhauptkette (Birkkarspitze, Seekarspitze).

Berghütten

Im Karwendelgebirge werden 26 Berghütten bewirtschaftet, 14 davon sind Alpenvereinshütten des deutschen bzw. österreichischen Alpenvereins. Zwölf weitere privat betriebene Hütten bieten ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten. Die meisten Hütten sind nur im Sommer (von Mai/Juni bis Oktober) geöffnet, bieten aber oftmals Winterräume, die außerhalb der Bewirtschaftungszeit zugänglich sind. Darüber hinaus gibt es noch 3 Selbstversorgerhütten sowie 3 Biwakschachteln, welche vorwiegend als Notunterkunft dienen.

 

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